Transformation als Grundstein für anhaltenden Erfolg

Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch und damit hat auch die Transformation Hochkonjunktur. Schreckensgespenster von disruptiven Geschäftsmodellen bescheren Unternehmern schlaflose Nächte. Sei es aus Angst vor (neuen) Mitbewerben oder als Traumvorstellung, in der man selbst der Disruptor ist.

Dabei wird gerne vergessen, dass die Transformation keine neuartige Erscheinung ist und schon gar nicht immer etwas mit der Digitalisierung zu tun hat. Wer kontinuierlich Unternehmenserfolge generieren will, muss sein Geschäftsmodell immer wieder hinterfragen und die Weichen stellen oder völlig neue Wege gehen. Nur so kann ein Unternehmen dauerhaft anders und besser sein als der Mitbewerb und sowohl in der konzeptionellen Stärke als auch in der Umsetzungsstärke brillieren.

Transformation bedeutet schlicht die Veränderung von einem bestehenden IST-Zustand zu einem neuen SOLL-Zustand. Dabei passiert diese Veränderung nicht zufällig, sondern ist eine strategische Wandlung.

Bekannte Beispiele internationaler Player wie Kodak oder Nokia zeigen auf tragische Weise, was fehlende Transformation bewirken kann. Mit dem Verlust ihrer konzeptionellen Stärke sind die einstmals glänzenden Sterne am Unternehmenshimmel heute von der Bildfläche verschwunden.

Das Rad der Geschäftsmodell-Neuerfindung

Voelpel/Leibold/Tekie sprechen vom „Rad der Geschäftsmodell Neuerfindung“. Die Bedingungen des Marktumfelds sind dynamisch. Somit können Geschäftsmodelle keine steifen, einmalig überlegten Konzepte sein, sondern unterliegen einem Wandeln. Voelpel/Leibold/Tekie sehen vier Dimensionen, die dem Rad der Neuerfindung unterliegen – Kunden, Technologie, Business System Infrastruktur und ökonomische Faktoren. Dabei können sich die vier Dimensionen unter einander beeinflussen.[1]

Die Zeiten ändern sich. Was früher für Kunden der ausschlaggebende Kaufgrund war, ist heute bereits Standard. Ein Handy bzw. Smartphone mit dem man neben dem Telefonieren auch Fotos machen kann, ist heute kein Alleinstellungsmerkmal mehr und entlockt ihrem Kunden, höchstens ein müdes Gähnen. Was Sie früher zu Premiumpreisen verkauft haben, bringen Sie heute nur mehr mit Schleuderpreisen und Rabattaktionen an den Kunden.

Vom Pferd zum autonomen Fahren

Am Beispiel der Personenbeförderung sieht man die Transformation in einer Branche über mehrere Jahrhunderte hinweg nur allzu deutlich. Bereits seit tausenden von Jahren nutzen wir Menschen Pferde um schneller von A nach B zu gelangen.

Mit der Erfindung der Kutsche im 15. Jahrhundert war es möglich, Wegstrecken nicht nur bequemer zurückzulegen, sondern auch mehrere Personen inklusive deren Gepäck in einer einzigen Kutsche mit nur einem Pferd zu transportieren.

Die Evolution der Personenbeförderung blieb nicht stehen und so wurde 1886 das erste Automobil erfunden. Der „Benz Patent-Motorwagen Nummer 1“ hatte einen Verbrennungsmotor und erregte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Freilich gab es dazwischen mit Dampfwagen und Co noch weitere Entwicklungsstufen, die den Umfang dieses Artikels sprengen würden.

Heute sind unsere Autos wahre Meisterwerke der Konstruktionstechnik und der Mechatronik. Schleichend ziehen Sensoren in Neuwagen ein, bieten uns Annehmlichkeiten wie Einparkhilfen und gehen kontinuierlich den Weg Richtung autonomes Fahren.

Evolution vom Pferd zum autonomen Fahren

Fahrzeuge, die mit vielfältigsten Sensoren ausgestattet sind, schließen den Kreislauf zur Vergangenheit. Denn intelligente, autonome Gefährte waren schon früher auf unseren Straßen gang und gäbe. Schließlich blieben die Pferde bereits vor Jahrmillionen völlig selbstständig vor einem Abgrund oder einer Mauer einfach stehen.

Transformation seit über 150 Jahren

Ein Unternehmen, das bereits seit über 150 Jahren seine Transformationsfähigkeit unter Beweis stellt, ist die Firma Bernhardt´s Söhne GmbH. Angefangen hat alles mit mechanischen Wasserzählern. Der größte Nachteil für den Infrastrukturanbieter ist dabei die erforderliche händische Ablese des Zählerstands vor Ort.

Bernhardt machte sich neue Technologien zu Nutzen und entwickelte elektronische Wasserzähler. Der nächste logische Schritt, war diese Zähler in das Internet zu bringen. Mit LoRa wurde auch das realisiert. Alle 15 Minuten werden die Verbrauchswerte nun aufgezeichnet und übertragen.

Bernhardt Wasserzähler Alt - Neu

Früher war es ausreichend einmal im Jahr den Wert abzulesen. Wieso benötigen wir nun 96 Werte an einem einzigen Tag? In Europa gibt es circa 20% Wasserverlust in den Netzwerken. Die nun gewonnenen Daten bringen echten Mehrwert und helfen beispielsweise Wasserverschwendung zu diagnostizieren. „Man kann Schäden zwar nicht zu hundert Prozent vermeiden, aber den Großteil rechtzeitig erkennen. Schleichende Wasserverluste sind beispielsweise bei Mietwohnungen für Vermieter relevant, wenn Mieter defekte WC-Spülungen nicht melden. Hier gibt es ein enormes Einsparungspotenzial“, erklärt Peter Mittner, Geschäftsführer Bernhardt’s Söhne GmbH.

Dieses Musterbeispiel an Transformation blieb auch international nicht unbemerkt. Die Bernhardt’s Söhne GmbH hat 2018 den IOT/WT Innovation World Cup in der Kategorie Industrial mit Ihrem System gewonnen, das den Wasserverbrauch anzeigt und Alarme auslöst.


[1] Voelpel, Seven C/Leibodl, Marius/Tkie, Eden B.: The Wheel of Business Model Reinvention: How to Reshape Business Models to Leapfrog Comtitors; in Journal of Charge Management 4(3), 2004, pp. 259-276.

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